Zwei ehemalige Lehrer des Leibniz-Gymnasiums engagieren sich in der Deißlinger Flüchtlingshilfe

Von Celine Kischenko, Franziska Braun, Carina Steiner, Larissa Kaiser und Elias Bob

  Jahrelang haben wir bei Wolfgang Dongus und Elisabeth Rieger Englisch, Erdkunde, Französisch und Deutsch gelernt. Inzwischen sind beide im wohl verdienten Ruhestand und setzen sich im Rahmen der Flüchtlingshilfe Deißlingen für Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak ein. Im Rahmen des bilingualen Gemeinschaftskundeunterrichts haben wir Zehntklässler vom Leibniz-Gymnasium Rottweil unsere ehemaligen Lehrer und ihre neuen Schüler besucht. Das alte Feuerwehrhaus in Deißlingen ist an vier Tagen in der Woche die neue Wirkstätte von Elisabeth Rieger: Dort erklärt sie mit Engelsgeduld rund 25 bis 35 Flüchtlingen den Satzbau und andere grammatikalische Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Der Jüngste unter den Schülern ist fünf, der älteste rund 70 Jahre alt. „Die Teilnahme am Intensivkurs Deutsch ist freiwillig“, erklärt Wolfgang Dongus, der gemeinsam mit Juliette Mittas und Ruth Storz die zahlreichen freiwilligen Mitarbeiter der Deißlinger Flüchtlingshilfe im Auftrag des Gemeinderats organisiert und koordiniert. Immer wieder schmettert er an diesem Nachmittag ein „Hage“ in die Runde, worauf es ihm einstimmig „Muh“ entgegen schallt. Den Deißlinger Fasnetsruf hat die ungleiche Schülergruppe als Erstes gelernt, alles andere Wissen über Sprache und Kultur eignen sie sich ebenso begeistert wie fleißig an. Die meisten von ihnen sind einfach nur froh, hier sein zu dürfen, nach den Strapazen der Flucht mit Schiffen und LkWs. „Hier muss ich nachts keine Bomben mehr hören“, erzählt einer der Männer, der am liebsten eine Ausbildung als Koch in Deutschland machen würde. Noch aber dürfen die meisten maximal für 1,05 Euro für den Bauhof arbeiten. Eine Arbeit, die diejenigen, die sie machen dürfen, dennoch sehr schätzen: So könnten sie sich einbringen, sagen sie. Über ihr Schicksal sprechen sie oft gar nicht oder nur sehr zögerlich. Wie Ali aus Syrien, der 13 Jahre alt ist und dessen Eltern und Geschwister tot beziehungsweise verschollen sind: „Ali lernt hier nun Deutsch und ist in einer Pflegefamilie untergebracht“, erzählt Wolfgang Dongus. Gemeinsam mit den Flüchtlingen hat er nun zahlreiche Betten zusammengezimmert: Das Landratsamt stelle jedem Flüchtling eine Grundausstattung, die gerade einmal das Nötigste für das tägliche Leben abdeckt – vom Teller und der Tasse bis hin zum Bettbezug. Hier versuche die Flüchtlingshilfe, weiter zu unterstützen, so Dongus: Das beginne bei der Beschaffung von passenden Kleidungsstücken und ende bei einem Haus, in das gerade 24 Flüchtlinge eingezogen sind. „Dort haben sie ein klein wenig mehr Privatsphäre“, betont er und lächelt. Über unseren Besuch haben sich er und Elisabeth Rieger besonders gefreut: „Man kann die Menschen und ihre Einzelschicksale viel besser verstehen, wenn man Kontakt aufnimmt, sie persönlich kennenlernt“, davon ist unser ehemaliger Englischlehrer überzeugt. Und wir wissen jetzt, dass Obada davon träumt, irgendwann wieder als Grundschullehrerin arbeiten zu dürfen, während einige der Flüchtlinge am liebsten wieder nach Hause zurückkehren wollen. Wieder andere wünschen sich ein ganz normales Leben bei uns, mit einer Ausbildung als Friseur oder Koch, mit einem Beruf, einer eigenen Wohnung und auch einmal Pommes oder Kartoffelsalat zum Mittagessen. Bis es soweit ist, werden sie noch einige Stunden Satzbau und Grammatik bei Elisabeth Rieger und all den anderen Helfern pauken müssen. Und das tun sie wahrscheinlich mit einer weitaus größeren Motivation als die, mit der wir Zehntklässler an manchen Tagen die Schulbank drücken.