Jugendliche Physik-Talente aus ganz Deutschland messen sich in einem bundesweiten Wettbewerb

Von Markus B. Zetto, Jugendredaktion des Leibniz-Gymnasiums Rottweil

Greifswald. Physik – ein Fach, bei dem die Meinungen und Assoziationen bei Schülern weit auseinandergehen. Während viele das Fach von Grund auf hassen und es verabscheuen, mit elektrischen und magnetischen Feldern zu rechnen oder Interferenzmuster aufzuzeichnen, gibt es andere, denen es tatsächlich liegt und die mit den für Laien wunderlich anmutenden Experimenten und Formeln etwas anfangen können. 51 dieser Schüler aus ganz Deutschland haben vom 21. bis 27. Januar 2017 an der Bundesrunde des deutschen Auswahlwettbewerbs der 48. Internationalen Physikolympiade in Greifswald teilnehmen dürfen, nachdem sie in zwei vorigen Qualifikationsrunden ihr physikalisches Können unter Beweis gestellt hatten – darunter auch ich. Die Aussichten waren durchaus einladend: Es winkten nicht nur ein Preisgeld von 500 € sowie Sachpreise, sondern auch die Teilnahme an der deutschen Finalrunde, in der mit den besten fünf das deutsche Nationalteam aufgestellt werden wird, das unser Land im europäischen und internationalen Wettbewerb vertreten wird. Aber bis dahin ist es für die Teilnehmer noch ein weiter Weg. Während des einwöchigen Ausfluges nach Greifswald im Nordosten Deutschlands standen zwei schwierige theoretische und experimentelle Klausuren an. Die Aufgaben waren denkbar herausfordernd: So ging es dieses Jahr neben zwei Experimenten zu Magnetfeldern und Optik insbesondere um Plasmaphysik. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Greifswald ist, da es sowohl das IPP (Max-Planck-Institut für Plasmaphysik) und das INP (Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie) beherbergt, in diesem Gebiet der Forschung und auch in der technischen Anwendung führend. Insbesondere betreut das IPP das „Wendelstein 7-X“-Experiment, einen Kernfusionsreaktor, mit dem an der Lösung der weltweiten Energieproblematik geforscht wird und den wir während unseres Aufenthalts auch besuchen durften.

Angesichts der gewaltigen Anlage, die einen großen Teil der gewaltigen Halle füllt, kann man die allgemeine Ehrfurcht vor dem hochkomplexen Apparat geradezu spüren. Das gesamte Institut ist gefüllt mit komplexen Apparaten, dem konstanten Pfeifen von Hochdruckpumpen und dem zufälligen Klacken von Ventilen; erst durch die unmittelbare Vergegenwärtigung wird einem das schiere Ausmaß eines solchen Projektes klar. Beeindruckend war allerdings auch die Gastfreundlichkeit, mit der unsere Besichtigungsgruppen an den Instituten empfangen wurden; insbesondere am IPP, an dem wir uns einen Großteil der Zeit aufhielten, war stets ein reichhaltiges Büffet mit Snacks und Getränken aufgebaut und für kostenlose Mahlzeiten war auch gesorgt. Schließlich gab es zudem eine Menge Möglichkeiten, sich über das Physik-Studium, das die meisten der Teilnehmenden anstreben, und über das damit verbundene Berufsspektrum insbesondere in der Forschung zu informieren und mit Forschern und Studenten zu reden. Aber auf dem Programm stand nicht nur Physik. Es war auch ein Besuch im Ozeanium in Stralsund geplant sowie ein Sportabend geplant worden, bei dem die klischeemäßigen Sport-Antipathie und -Unfähigkeit von Physikern meiner Ansicht nach zumindest ein wenig widerlegt wurde. Neben solchen Aktivitäten blieb allerdings auch immer genügend Zeit, Jugendliche mit ähnlichen Interessen kennenzulernen und sich zu unterhalten – wobei teilweise seltsame Ideen herauskamen, wie ein „Wer-bin-ich?“-Spiel mit physikalischen Formeln. Endlich war es mir einmal möglich, über höhere Physik zu reden, ohne dass die meisten Anwesenden resigniert den Raum verlassen. Am Ende der ziemlich anstrengenden Woche standen schließlich die feierlichen Preisverleihungen an, bei denen Prof. Rolf-Dieter Heuer, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft DPG, die wissenschaftliche Direktorin des IPP, Prof. Sibylle Günter, Christina Nolte, Bundessprecherin der jungen Deutschen Physikalischen Gesellschaft jDGP und Dr. Stefan Petersen, der Wettbewerbsleiter in Deutschland, einige Worte an uns Teilnehmer richteten.

Die meisten waren ziemlich nervös und meist auch etwas pessimistisch, da die Aufgaben die Messlatte doch sehr hoch angesetzt hatten und die meisten kaum sinnvolle Lösungen vorweisen konnten. So rechnete auch ich mit einem Platz irgendwo im Mittelfeld und machte mir kaum Hoffnungen, noch unter den ersten 15 zu sein und mich für die Finalrunde zu qualifizieren. Doch nachdem die unteren 36, die nicht an der nächsten Runde teilnehmen können, in zufälliger Reihenfolge aufgerufen worden waren, war mein Name noch nicht genannt worden, und die Platzierungen wanderten nun Platz für Platz immer weiter nach oben, ohne dass mein Name fiel. So dachte ich schon, mein Name sei vergessen worden, als ich schließlich als zweiter Platz aufgerufen wurde. Ich war so verblüfft von meinem Ergebnis, dass dies auch erklärt, warum ich auf dem Bild oben meine Urkunde falsch herum halte. So hoffe ich nun, gestützt durch das gute Ergebnis, auf eine ebenso erfolgreiche Teilnahme an der vierten Runde vom 18. bis zum 23. April am DESY in Hamburg, um dann eventuell auch dem europäischen Wettbewerb in Estland und dem internationalen im indonesischen Yogyakarta beizuwohnen. Aber selbst wenn ich nicht weiterkommen sollte, habe ich auf jeden Fall eine interessante Woche hinter mir und langfristig wichtige Erfahrungen gesammelt.