von Norbert Kleikamp

Der Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium ist für viele Schüler mit dem Verlust einer für sie vertrauten Lernumgebung verbunden: Die gemeinschaftliche Fürsorge einiger weniger Lehrer wird ersetzt durch die Verantwortung vieler Fachlehrer. Der Unterricht gestaltet sich durch die Rahmenbedingungen oftmals rein kognitiv und vernachlässigt, dass neben Kopf auch Herz und Hand unverzichtbare Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen sind. Am Leibniz-Gymnasium in Rottweil hat deshalb ein Lehrerteam begonnen ein Konzept zu entwickeln, welches den Lebensraum Schule für Schüler in ein ganz neues Licht rücken soll. Zentraler Teil dieser Konzeption ist das Leibniz-Forschungsschiff, dass von Schülern und Schülerinnen der Klassen 9c, 8c und 8d in Stand gesetzt werden soll und unserem Nachwuchs einen fantastischen Zugang zum Naturraum Bodensee ermöglichen soll. Darüber hinaus sollen modernste Messinstrumente die Erforschung des Bodensees im Rahmen des Natur- und Technikunterrichts möglich machen. Der Bodensee wird so zum außerschulischen Lernort.

Die Idee

Exkursionen zum Bodensee, auch mit Übernachtung auf dem Campingplatz, werden bereits mehrfach durchgeführt. Der Wunsch der Kinder, dabei auch einmal auf den See hinaus fahren zu können, war bislang zum Scheitern verurteilt, nicht zuletzt auf Grund des erhöhten Sicherheits¬risikos kleiner Boote.

Persönlichkeitsbildung durch Segeln

„Gerade das Segeln mit seinen diversen Anforderungen macht das Lernen mit Herz, Hand und Verstand geradezu sinnbildlich und plastisch“, schreiben z. B. Wissenschaftler des Instituts für Erlebnispädagogik der Universität Lüneburg. Dabei sind Teamarbeit, Verantwortung und Disziplin der wichtigste Garant für das Gemeinschaftsgefühl einer „Mannschaft“. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das Ausbildungsschiff der Bundesmarine, die Gorch Fock, ein Segler, und auch so manch ein „Schwer Erziehbarer“ findet auf dem Wasser seinen Lehrmeister. Erfahrungen beim Segeln sowie die exemplarische Nutzung eines Forschungsschiffs stehen in vielfältiger Wechselwirkung mit dem schulischen Unterrichtsgeschehen: Inhalte der Mathematik, Biologie und Erdkunde und natürlich der Naturphänomene finden dort ihre Anwendung.

Begeisterung bei den Schulklassen

Im letzten Jahr konnten wir für unsere Schüler neben einem Schülerlabor auch einen Technikraum einrichten und beobachten, mit wie viel Freude die Kinder und Jugendlichen an praktische Arbeiten herangehen. Die Aussicht, eine „alte“ Yacht in Stand zu setzen, hat in den wahre Begeisterungsstürme ausgelöst. Um diese Motivation zu erhalten ist es jedoch wichtig, dass die Aufgaben überschaubar und die Anforderungen schülergerecht bleiben. Daher musste das Projekt durch einen entsprechenden finanziellen Rahmen abgesichert sein, was Dank der Zuwendung durch die Henkel AG &Co. KG im Rahmen des Projekt Futurino möglich gemacht wurde.

Zeitrahmen und Realisierung

Das Segelboot Ocean22 wurde 1976 gebaut. Das Boot sowie die vorhandenen Reste an Ausrüstung wurden von uns inspiziert und unter fachkundiger Beratung ein erster Plan zur Instandsetzung entworfen. Die Arbeiten an diesem Schiff sollen mit den Schülern und Schülerinnen im Gewerbegebiet Neckartal bis Ende des Jahres durchgeführt werden, so dass unser Boot bereits in der nächsten Saison einsatzbereit ist.

Das Lehrerteam des LG

Hr. Mack, Fr. Kammerer, Hr. Kleikamp (Projektleiter) , Hr. Schmalz (Instandsetzung), Hr. Merz (Ausbildung) und Hr. Gräber (Messinstrumente)